26.04.2011

Interview mit Dr. Matias Langer über Bio-Seide.de

Klaus-Martin Meyer: Matias, Du hast es geschafft auf gruenderszene.de als dienstältester Gründer Erwähnung zu finden. Wie kam es dazu?

ML: Wer trommelt, wird gehört! Dass gruenderzszene.de mein Start Up erwähnt hat, liegt sicherlich zum einen an meiner intensiven Pressearbeit. Ganz konkret: Ich habe an nahezu alle Portale meine Pressemitteilungen versandt, um mich und mein Projekt vorzustellen.  Zum anderen ist es ja tatsächlich nicht alltäglich, sich mit 60 Jahren für eine Existenzgründung zu entscheiden. Das sahen die Macher von gruenderszene.de wohl ähnlich und ich habe mich über die Veröffentlichung gefreut.

Klaus-Martin Meyer: War Bio-Seide.de dabei eher das Ergebnis von Transpiration in Form strukturierter Marktforschung oder eine Inspiration in Form eines Zufalls?

ML: Begonnen hat es mit einem “Zufall”: Der Begegnung mit einer indischen Designerin auf der Grassi-Messe 2010  in Leipzig. Die von ihr präsentierten Bandhani-Seidenschals haben mich so fasziniert - sowohl das Design als auch die handwerkliche Technik - dass ich davon nicht mehr los kam. Diese Textilien entstehen in einer Handwerkerzunft, die vom Aussterben bedroht war. Wer diese Schals kauft, tut also etwas dafür, dass indische Handwerker ein Einkommen für ihre Familien erarbeiten können. Das nenne ich nachhaltig! Der nächste Schritt war, weitere ökologisch akzeptable Produkte unter dem Gesichtspunkt des fairen Handels zu finden. Ich beschäftigte mich intensiv mit dem Thema Seide und habe mich auf die drei Bereiche Bio-Seide, Wildseide (non-violent silk) und pflanzengefärbte Seide konzentriert.

Klaus-Martin Meyer: Das Stichwort Bio vor der Seide stimmt zunächst nachdenklich. Ist Seide nicht per se ein Bioprodukt?

ML: Seide ist insofern eine Naturfaser, als dass sie von Seidenraupen erzeugt wird. An dieser Stelle hört aber meistens das “BIO” schon auf. Einem verantwortungsvollen Konsumenten stellt sich die Frage: Wie werden die Raupen gezüchtet, wie wird die Seide gewonnen und verarbeitet?

Das Futter der Maulbeerseidenspinner, die Maulbeerblätter, werden meist in Monokultur angebaut, deren negative Auswirkung hinreichend bekannt ist. Die Raupen werden mit Methoden gezüchtet, die auf effektive Produktion abstellen, aber nicht auf eine gesunde Landwirtschaft und gesunde Tiere.

Außerdem ist Seide eine Faser, die einen aufwändigen Verarbeitungsprozess durchläuft, bis ein Kleidungsstück daraus entsteht. An vielen Stellen dieses Prozesses schlägt im Rahmen einer industriellen Produktion die chemische Keule zu. Das Endergebnis ist oft kein tragbares Naturprodukt mehr. Das wird in dem SABA-Projekt, aus dem ich die Maulbeerseide beziehe, besser gemacht. Die Landwirtschaft für den Futteranbau wird nach biologisch-dynamischen Methoden betrieben. Die Folge davon ist, dass keine Pestizide, künstliche Dünger oder wachstumsfördernde Hormone verwendet werden müssen, um einen glänzenden und stabilen Seidenfaden zu gewinnen. Der Verarbeitungsprozess erfolgt unter Einhaltiung sozialer Standards und ohne den Einsatz gesundheitlich bedenklicher Chemikalien. Nur dadurch erlangt die Bio-Seide die Zertifizierung nach dem Global Organic Textile Standard (GOTS).

Klaus-Martin Meyer: Wie sichtig sind Zertifikate aus Deiner Sicht für den Vertrieb von Biotextilien?

ML: Erfreulicherweise achten immer mehr Verbraucher darauf, woher die angebotenen Produkte stammen und wie sie produziert werden. Wenn wir unsere Erde als eine lebens- und liebenswerte Heimat erhalten wollen, müssen wir unser Denken daran ausrichten, was uns UND der Natur zuträglich ist. Bei dieser Entscheidung können uns aussagekräftige Zertifikate helfen. Somit sind sie ein wichtiges Verkaufsargument und erhöhen die Transparenz für den Kunden.

Klaus-Martin Meyer: Zum Abschluss wie gewohnt meine Standardfrage: Wo steht bio-seide.de in fünf Jahren?

ML: Meine Vision ist es, in den nächsten Jahren die Nachfrage nach ökologischen Produkten, dazu gehört auch Wildseide, die ohne die Tötung von Seidenraupen hergestellt wird -  sogenannte non-violent silk, so zu erhöhen, dass viele neue Projekte wie SABA entstehen können: Projekte, die Bio-Seide oder non-violent silk produzieren und nachhaltig und fair zu gesunden Textilien verarbeiten. Das wird dazu führen, dass auch konventionell arbeitende Unternehmen ihre Produktion umstellen werden.

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